Hirschhausen und die Deepfake-Mafia

Hirschhausen und die Deepfake-Mafia

Deepfakes, organisierter Online-Betrug und eine kaum kontrollierbare Macht über unsere Daten: Die neue ARD/WDR-Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ legt ein kriminelles System offen, das gezielt mit der Gesundheit und dem Vertrauen von Menschen spielt. In einer umfassenden investigativen Recherche folgt Eckart von Hirschhausen den Spuren einer global agierenden Betrugsindustrie – von Deutschland bis nach Brasilien - und legt die Strukturen internationaler Datenhändler offen.

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© WDR/Bilderfest/Annika Graeff

Ausgangspunkt sind tausende Fälle von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die durch täuschend echt wirkende KI-generierte Werbevideos – unter anderem mit von Hirschhausens Gesicht und Stimme – zum Kauf vermeintlicher Gesundheitsprodukte verleitet worden sind. Die Dokumentation zeigt, wie perfide diese Masche funktioniert: Mit emotionaler Manipulation, gezielter Datenauswertung und professionell organisierten Callcentern werden insbesondere ältere und gesundheitlich belastete Menschen angesprochen und unter Druck gesetzt.

Menschen, die den Versprechen vertraut haben, berichten von finanziellen Verlusten, Scham und dem Gefühl, allein gelassen zu werden. Eckart von Hirschhausen zeigt, wie schwer es ist, Täter zu identifizieren und strafrechtlich zu verfolgen und wie kriminelle Netzwerke bestehende Lücken im System gezielt ausnutzen.

Eckart von Hirschhausen: „Durch die explosive Entwicklung von künstlicher Intelligenz wird es im Netz unmöglich zu erkennen, was echt ist, und was Lüge. Das zerstört das Vertrauen in Menschen, in die Wissenschaft und die Demokratie. Deshalb mache ich diesen Film. Meine Stimme gehört mir, mein Gesicht auch. Wir brauchen dringend verbindliche Regeln gegen die kommerziellen Plattformen. In der ARD gibt es zum Glück noch echte Nachrichten, echte Reportagen von echten Menschen für echte Menschen."

Für die Recherche trifft von Hirschhausen einen Whistleblower, der Einblicke in die Arbeitsweise internationaler Callcenter gibt, in denen gezielt deutsche Kunden angesprochen werden. Trainingsmaterial und Gesprächsmitschnitte belegen: Verkäufer werden systematisch geschult, um Ängste von Patientinnen und Patienten auszunutzen und mit falschen Heilsversprechen Kasse zu machen. Gleichzeitig wird deutlich, wie komplex die Firmenstrukturen sind, die sich über mehrere Länder erstrecken und sich somit gezielt der Strafverfolgung entziehen.

Die Dokumentation beleuchtet zudem die zentrale Rolle großer Tech-Plattformen und der digitalen Werbeindustrie. Persönliche Daten – von Gesundheitsinteressen, über sensible Lebenssituationen bis hin zu intimen Details – werden in großem Stil gehandelt und für personalisierte Werbung genutzt. Diese Daten bilden die Grundlage für das gezielte Ausspielen betrügerischer Inhalte. Expertinnen und Experten aus Datenschutz, Politik und Kriminalitätsforschung ordnen ein, wie diese Systeme funktionieren – und warum bestehende Gesetze bislang nur unzureichend durchgesetzt werden.

„Desinformation ist ein medizinischer Notfall“

„Weil Menschen im Gesundheitswesen wenig Gehör finden, suchen sie im Internet nach Hilfe. Dort wimmelt es aber von Betrügern, gefälschten Medikamenten und täuschend echten Videos von mir und anderen Ärztinnen und Ärzten. Desinformation ist ein medizinischer Notfall. Auch unechte Wundermittel können echten Schaden anrichten!", so von Hirschhausen.

Die Dokumentation legt die Probleme des Deepfake-Betrugs offen, gibt aber auch Hilfestellungen: Wie lassen sich betrügerische Angebote erkennen? Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll? Und was kann jede und jeder Einzelne tun, um sich besser vor digitalem Betrug zu schützen? „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ ist eine eindringliche Bestandsaufnahme der Gefahren im digitalen Raum – und ein Appell, den Schutz von Gesundheit, Wahrheit und demokratischen Strukturen im Zeitalter von KI und Plattformökonomie ernst zu nehmen.

Neben von Hirschhausen sind auch andere Prominente aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk von Deepfakes betroffen. Im Film spricht er unter anderem mit Moderator Ingo Zamperoni und Ernährungsmediziner Matthias Riedl („Die Ernährungsdocs“).

„Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ ist eine Produktion der Bilderfest GmbH (Buch und Regie: Kristin Siebert, Produzent: Stefan Otter) im Auftrag des WDR (Redaktion: Markus Schall) für Das Erste.

Stand: 01.04.2026, 13.00 Uhr