Alessija Lause als Hauptkommissarin und Leiterin der Mordkommission Ira Klasnić
„Tatort“ aus Dortmund „Schmerz“
Alessija Lause als Hauptkommissarin und Leiterin der Mordkommission Ira Klasnić
© WDR/Thomas Kost
Ira Klasnić ist eine engagierte Kommissarin, deren eigene Biografie untrennbar mit Gewalt, Verlust und Kriegserfahrungen verbunden ist. Im aktuellen Fall wird sie mit diesen Traumata konfrontiert. Ihre Sensibilität gegenüber Opfern, aber auch Tätern macht sie zu einer besonderen Ermittlerin – gleichzeitig bringt sie diese Nähe immer wieder an ihre persönlichen Grenzen. In “Schmerz” wird sie besonders auf die Probe gestellt – ein Verdächtiger ist ein alter Bekannter von ihr aus Kriegszeiten.
Interview mit Alessija Lause
Für Ira Klasnić ist „Schmerz“ ein besonderer Fall: Sie wird mit ihrer Vergangenheit und ihren traumatischen Kriegserfahrungen im Balkan konfrontiert. Die Ermordeten waren ehemalige Kriegsverbrecher. Was löst das in ihr aus?
Ira hat als Teenagerin im Ex-Jugoslawienkrieg mit eigenen Augen gesehen, was Menschen, vor allem Frauen und Kindern, angetan wurde. Das hat sie tief geprägt. Sie will, dass Kriegsverbrecher für ihre Taten „bluten“ müssen. Jedoch nicht, dass sie klammheimlich aus dem Leben gerissen werden. Sie sollen vor den Augen der ganzen Welt angeklagt und bis ans Lebensende weggesperrt werden. Ihre Taten und deren Schrecken, Schande und Schmach soll ihnen tagtäglich bis an den Rest ihres Lebens vor Augen geführt werden.
Ira trifft im Zuge der Ermittlungen auf ihren alten Bekannten Lorik Duka. Wie geht sie damit um, dass er etwas mit den Morden zu tun haben könnte
Ira hat als Bundeswehrsoldatin mit KFOR-Mandat im Kosovo-Krieg gedient, Lorik hat auf Seiten der UCK gekämpft - in dieser Zeit sind die beiden sich begegnet. Sie haben sich gegenseitig das Leben gerettet, seitdem sind sie „Familie“. Ira glaubt nicht, dass Lorik etwas mit den Morden zu tun hat und kann es kaum ertragen, anzusehen, wie er wieder von seiner Familie instrumentalisiert und in deren brandgefährliche Angelegenheiten gezogen wird. Ira hat mit Lorik immer wieder darüber gesprochen, wie wichtig es für ihn ist, Abstand von seiner Familie zu nehmen, damit er die Chance hat, ein glückliches, selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie war sich in den letzten Jahren sicher, dass er es auch geschafft hat. Umso schlimmer, mitzubekommen, dass es ihm nun wieder passiert.
Ira gewährt der Zeugin Maria Nowak unerwartet Unterschlupf in ihrer eigenen Wohnung. Was steckt hinter dieser impulsiven Entscheidung? Mitleid, Schuld oder etwas ganz anderes?
Ira hat Mitgefühl mit Maria. Die tiefe Traurigkeit und Melancholie dieser jungen Frau rührt sie. Dieses Gefühl kennt Ira. Irgendwie hat Ira hat das Bedürfnis, Maria schützen zu müssen. Das hat fast etwas Schwesterliches oder sogar Mütterliches. Ira ist in dem Moment einfach ein Mensch. Sie sieht diese junge Frau, die tief erschüttert und allein in einem fremden Land ist. Ira nimmt sie spontan bei sich auf, und bietet ihr Schutz und Wärme. Im Hinterkopf hat sie immer auch den Gedanken, Maria würde ihr eventuell doch noch etwas zur Tatnacht erzählen, wenn sie Vertrauen zu ihr geschöpft hat.
Stand: 14.01.2026, 09.00 Uhr