Die Düsseldorfer Rheinkirmes - Das größte Volksfest am Rhein

Die Düsseldorfer Rheinkirmes - Das größte Volksfest am Rhein

Ein Dokumentarfilm von Tim Schreder
Deutschland, 2026, 45 min

WDR Fernseher, Freitag, 17.07.2026, 20:15 Uhr

Keyvisual

© WDR/erzaehlfabrik

Die Düsseldorfer Rheinkirmes ist ein Ausnahmezustand auf Zeit: Wo eben noch eine leere Rheinwiese liegt, entsteht innerhalb weniger Wochen eine Stadt aus Stahl, Licht, Musik, Wohnwagen, Imbissbuden und tonnenschweren Fahrgeschäften. Der Film begleitet die „Größte Kirmes am Rhein“ von den ersten Pflöcken im Gras bis zum letzten Wochenende – und erzählt von den Menschen, die dieses Volksfest möglich machen.

Im Mittelpunkt steht Sven Gerling, zum zweiten Mal Chef der Rheinkirmes. Für den Urdüsseldorfer ist die Organisation des Festes Ehrenamt, Herzensangelegenheit und Kraftakt zugleich. Vier Wochen vor der Eröffnung übernimmt er von der Stadt die Oberkasseler Rheinwiese – eine Fläche von rund 20 Fußballfeldern, auf der bald jeder Meter verplant ist. Schon kleine Probleme können hier groß werden: ein Bau im Boden, ein kurzfristig abgesagtes Fahrgeschäft oder ein falsch gesetzter Pflock. Denn die Kirmes 2025 existiert zunächst nur auf einem Plan. Erst nach und nach wird daraus ein gigantischer Freizeitpark am Rhein.

Hautnah zeigt der Film, wie die ersten Schwertransporte anrollen, Kräne Schienen in die Höhe heben und Schaustellerfamilien ihre Geschäfte millimetergenau aufbauen. Bei Angela Bruch und ihrer Alpina Bahn, der größten mobilen Achterbahn ohne Looping der Welt, entscheidet schon das erste Bauteil darüber, ob alles passt. Wind, Regen und Zeitdruck machen den Aufbau zur Präzisionsarbeit. Auch Thomas Schneider kämpft gegen die Uhr: Sein 71 Meter hoher Aussichtsturm steht wenige Tage vor Eröffnung noch auf einem anderen Volksfest – und muss nach einer Nachtaktion rechtzeitig nach Düsseldorf.

Neben den großen Attraktionen zeigt der Film auch die stilleren Geschichten der Kirmes: Markus Heitmann, der seine Wasserbahn bei über 30 Grad am Laufen halten muss. Vater und Sohn Fellerhoff, die mit einer neuen Geisterbahn und technischen Problemen kämpfen. Peter und Stefanie Buchholz, die mit ihrer fast 100 Jahre alten Raupenbahn ein Stück Schaustellertradition bewahren. Und Tom Merz, der mit einer der letzten Boxbuden Deutschlands ein fast verschwundenes Kirmesgeschäft rettet.

„Heimatflimmern“ blickt zugleich auf die Geschichte des Festes. Die Rheinkirmes ist nicht nur Rummel, sondern bis heute das Schützenfest des St. Sebastianus Schützenvereins. Seine Wurzeln reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Paraden, Königsschießen und Vereinsrituale existieren neben Achterbahnen, Partymeile und Millionenpublikum. Genau aus dieser Mischung entsteht die besondere Identität der Düsseldorfer Rheinkirmes: Volksfest, Familientradition, Wirtschaftsfaktor und Heimatgefühl zugleich.

Mit atemberaubenden Drohnenaufnahmen, spektakulären Bildern aus dem Aufbau und seltenen Einblicken hinter die Kulissen erzählt der Film, wie viel Arbeit, Erfahrung und Verantwortung hinter zehn Tagen Kirmes liegen. Er zeigt, dass Schaustellersein weit mehr ist als ein Beruf: Für viele Familien ist es Lebensform, Erbe und Zukunftsfrage.
Doch die Rheinkirmes 2025 endet mit einem tragischen Unfall. Beim Abschlussfeuerwerk detonieren Teile der Pyrotechnik am Boden, Feuerwerkskörper fliegen in Richtung Menschenmenge, mehrere Menschen werden verletzt, einige schwer. Der Film rekonstruiert die Ereignisse mit bisher unveröffentlichtem Material von der Abschussstelle und der Brücke. Ein Arzt, der privat vor Ort war und einem schwer verletzten Kind half, schildert den Moment, in dem aus Feststimmung plötzlich Ausnahmezustand wurde. Auch Sven Gerling spricht über die Minuten, in denen eine Kugelbombe in unmittelbarer Nähe seiner Familie einschlug.
So wird aus dem Blick hinter die Kulissen eines der größten Volksfeste Deutschlands auch ein Film über Verantwortung, Risiko und die Frage, wie ein Fest weitergehen kann, wenn es von einem Unglück überschattet wird. Am Ende steht eine Rheinkirmes, die ihren Zauber nicht verliert – aber deren letztes Wochenende in Erinnerung bleiben wird: als spektakuläres Fest am Rhein und als Mahnung, dass hinter jeder großen Veranstaltung Menschen stehen, die planen, hoffen, entscheiden und im Ernstfall die Folgen tragen.

Eine Produktion von erzaehlfabrik im Auftrag des WDR.

Redaktion: Ann-Christin Gertzen (WDR), Adrian Lehigk (WDR)

Stand: 22.06.2026, 15.00 Uhr