Politiker-WG in Marxloh
Geht nicht? Geht doch!

WDR Fernsehen

Politiker-WG in Marxloh
Geht nicht? Geht doch!

Eine Woche lang leben sieben Politikerinnen und Politiker in Duisburg-Marxloh. Für eine TV-Doku testet der WDR ihre Macher-Qualitäten im sozialen Brennpunkt: Die Politiker sollen konkrete Projekte umsetzen, die den schweren Alltag der Menschen nachhaltig erleichtern helfen.

Die Politiker-WG

Kathrin Vogler, Ulrich Scholten, Manuel Dröhne, Luisa-Maximiliane Pischel, Klaus Franz, Paula Marie Purps und Lisa-Marie Friede in den Räumen ihrer WG in Marxloh.
© WDR/Klaus Görgen

Duisburg-Marxloh. Das bedeutet Leben von Hartz IV. Das bedeutet Armut. Das bedeutet zehntausend Flüchtlinge, die eine neue Heimat suchen. Das Stadtbild wirkt heruntergekommen: Bäckereien, Metzgereien, Friseurläden – die meisten Geschäfte sind geschlossen. Die Politik scheint den Duisburger Stadtteil aufgegeben zu haben.

Der WDR hat jetzt für eine Woche sieben Politikerinnen und Politiker nach Marxloh geholt. Sie leben dort in einer Wohngemeinschaft – und sollen in der Woche nachhaltige Projekte anstoßen, die das Leben der Marxloher verbessern. Die drei Autorinnen und Autoren Laura Schnitzler, Franziska Pröber und Sebastian Koch haben mehrere Monate recherchiert, wo die Politiker am dringendsten gebraucht werden und ihre Macherqualitäten unter Beweis stellen können. „Marxloh hat viele Probleme, die schon direkt im Stadtbild sichtbar sind“, sagt Laura Schnitzler. Zehntausend Flüchtlinge sind aktuell in den Stadtteil gekommen. Diese Menschen haben noch keinerlei Wurzeln geschlagen – und sind ohne Perspektiven. Jugendliche, die meisten ohne Schulabschluss, sind auf der Straße zuhause. Die Armut der Menschen ist überall offensichtlich.

Projekt gegen Politikverdrossenheit

„Die Politikverdrossenheit der Menschen – vor allem auch in Marxloh – ist hoch. Sie hören meistens immer nur, was alles nicht gehen soll. Auf der anderen Seite präsentieren sich Politiker gerne als Macher, die anpacken“, sagt Redakteur Simon Pützstück. Zusammen mit seinem Kollegen Detlef Flintz hat er die Idee der Politiker-WG entwickelt: „Wir nehmen die Politiker beim Wort: Hier in Marxloh sollen sie ganz konkret etwas verändern: Geht nicht? Darauf antworten wir: Geht doch!“, so Pützstück.

War die Entscheidung für Marxloh schnell getroffen, so gestaltete sich die Politiker-Suche etwas schwieriger: „Sie wussten im Vorfeld nur, dass es in einen sozialen Brennpunkt in NRW geht, sie dort eine Woche lang leben und konkrete Projekte umsetzen sollen“, erzählt Schnitzler. Darauf wollten sich manche Entscheidungsträger nicht einlassen. Zudem sollten die verschiedenen Parteien vertreten sein, wenn möglich der Bundes-, Landes- und Kommunalebene.

Kein Big Brother mit Politikern

Die Mutigen, die sich auf das Projekt eingelassen haben, sind: Manuel Dröhne (Die Jungsozialisten, Stadtrat in Oberhausen), Klaus Franz (CDU-Bürgermeisterkandidat für Bochum), Lisa-Marie Friede (Sprecherin Grüne Jugend NRW), Luisa-Maximiliane Pischel (Junge Liberale, Bezirksvorsitzende Ruhrgebiet), Paula Marie Purps (CDU, u.a. Bundesjungbeirat für Inklusion), Ulrich Scholten (SPD-Bürgermeisterkandidat für Mülheim/Ruhr) und Kathrin Vogler (Bundestagsabgeordnete, Die Linke).

„Wir veranstalten kein Big Brother mit Politikern“, sagt Pützstück. „In den Wohnungen gibt es keine festinstallierten Kameras. Der Fokus liegt auf der Umsetzung der Aufgaben, die wir ihnen stellen. Dabei sind die Kameras dabei.“

Tausende Menschen ohne Krankenversicherung

Flüchtlinge, Gesundheit, Ernährung und Jugendliche – das sind die vier großen Themen, die in Marxloh im Argen liegen. Die übergeordnete Aufgabe für alle Projektteilnehmer lautet dann auch: Wie lässt sich die Gesundheitsvorsorge für die Menschen verbessern? Tausende Marxloher sind ohne Krankenversicherung.

Vier Politiker sollen darüber hinaus überlegen, wie sie den Marxlohern beibringen können, sich mit wenig Geld gesund zu ernähren und die anderen drei sollen die Jugendlichen von der Straße holen und eventuell einen Jugendtreff ins Leben rufen.

Nachhaltigkeit ist entscheidend

Die Aufgaben sollen nachhaltig gelöst werden, beziehungsweise sollen die Politiker etwas in Gang setzen, das auch nach den sieben Tagen Bestand haben wird“, sagt Pützstück. Paula Marie Purps und Ulrich Scholten kümmern sich um den Jugendtreff – und sprechen mit Pater Oliver der Katholischen Gemeinde in Marxloh. Pater Oliver ist die gute Seele des Stadtviertels – er hilft den Menschen an allen Ecken und Enden. Die Politiker merken schnell, dass es mit einem Raum für Jugendliche nicht getan ist. „Die Jugendlichen müssen erreicht werden – vor allem inhaltlich. Dazu müsst ihr raus auf die Straße und mit den jungen Menschen reden.“ „Wo finden wir sie denn“, will Jungpolitikerin Purps von Pater Oliver wissen. „Ab 17/18 Uhr sind sie auf der Straße – am besten geht ihr die B1 lang“, antwortet er. Purps und Scholten werden also einen Abendspaziergang machen – begleitet von der Kamera.

1LIVE berichtet in dieser Woche täglich über die Politiker-WG. Die 45-minütige Dokumentation wird am 24. August ab 21 Uhr im WDR Fernsehen zu sehen sein.

Stand: 21.08.2015, 08.00 Uhr