Das Donaudelta – Naturparadies am Rande Europas
Erlebnis Erde
Das Donaudelta – Naturparadies am Rande Europas
Ein Film von Beatrix Stoepel
Das Erste Sonntag, 08.11.2026, 13:15 Uhr
Normalerweise werden Flüsse von ihrer Quelle ab gemessen. Bei der Donau aber ist es andersherum: Hier endet sie nicht laut der Kilometerzählung, sondern sie beginnt – mit der wohl großartigsten Landschaft unter all den vielen, die sie auf ihrem über 2850 langen Weg vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer geschaffen hat: ein 5800km2 großes Delta, nach dem Wolgadelta das größte Europas, fast doppelt so groß wie das Saarland.
© WDR/Tesche Dokumentarfilm
Ein riesiges amphibisches Mosaik aus Wasserarmen, Sümpfen und Inseln, nur wenige davon bewohnt. Kaum eine andere Region in Europa ist so dünn besiedelt wie das Donaudelta.
Manche Dörfer sind nur mit dem Boot erreichbar. Einerseits prägt Wasser das Leben – andererseits zeugen große Dünenlandschaften und Steppen von einem ungewöhnlich trockenen Klima.
Gerade auch wegen der dünnen Besiedlung hat sich im Donaudelta ein Ökoparadies entwickeln können, das einzigartig in Europa ist. Allein 320 Vogelarten sind nachgewiesen.
Der Charaktervogel des Deltas ist der Rosapelikan. Zählungen mit Drohnen ergaben vor wenigen Jahren 16 – 19.000 Brutpaare. Sie brüten in Kolonien, und bilden große Fischergemeinschaften, zu denen sich oft auch Kormorane gesellen. Auch die Bestände der deutlich selteneren Krauskopfpelikane haben sich gut erholt. Im Donaudelta brüten inzwischen wieder über 300 Paare. Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Krauskopfpelikan in Rumänien fast verschwunden. Heute profitieren die Pelikane von Schutzmaßnahmen und kehren langsam zurück – ein seltener Erfolg in einer Zeit des Artensterbens.
Die Beutelmeise webt eines der kunstvollsten Nester in der Vogelwelt aus trockenen Halmen und den flauschigen Samen von Pappeln und Weiden. Die Paare haben eine ungewöhnliche Arbeitsteilung: Das Nest baut zunächst das Männchen, lockt damit ein Weibchen an. Das hilft dann dem Partner, das Kunstwerk zu vollenden. Der sieht seine Aufgabe danach als erfüllt an und lässt das Weibchen allein die Jungen aufziehen. Er baut weitere Nester und paart sich noch mit etlichen anderen Weibchen.
Der Artenreichtum geht weit über Vögel hinaus. So unterschiedlich die Landschaften, so unterschiedlich sind auch ihre Bewohner: Am Ufer des Razimsees jagt die Würfelnatter nach Schwarzmundgrundeln. Sie ist die am stärksten an Wasser gebundene Schlange Europas. In der trockenen Dobrudscha hingegen baut sich die Sandboa Höhlen im Sand, wo sie Schutz vor der Hitze sucht und sich dort auch paart.
Besonders beliebt bei Besuchern sind die lebhaften Ziesel, typische Steppenbewohner. Ihre spielenden Jungen kann man mit etwas Glück zum Beispiel unterhalb der Burg Enisala beobachten.
Die verwilderten Pferde rings um Letea zählen zu den absoluten Touristenmagneten. Historische Dokumente belegen, dass die Vorfahren der heutigen Pferdepopulation vor 300 bis 400 Jahren mit den Tataren in den Norden des Donaudeltas kamen und dort heimisch wurden. Dazu kamen in den 1990er Jahren viele Hauspferde, die von Bauern freigelassen wurden. Nach dem Zusammenbruch der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften als Folge der Revolution von 1989 hatten sie keine Verwendung mehr sie. Dadurch wuchs ihre Zahl enorm.
Nicht bei jedermann sind sie beliebt. Naturschützer sehen in ihnen eine Gefahr, unter anderem für Wiesen- und Wasservögel. Hinzu kommen freilaufende Rinder, die sich ihre eigenen Wege durch die Sumpflandschaft suchen. Dabei geraten Bodenbrüter wie der Säbelschnäbler in arge Bedrängnis. Zu viel oft unbewachtes Vieh überweidet die Flächen, zerstört Pflanzen und Bruten – gefördert von der EU. Pro Rind erhalten die Landwirte um die 280 Euro – ein großer wirtschaftlicher Anreiz in der von Armut geprägten Region.
Wenn Naturschützer, Behörden und Bauern zusammen nach Lösungen suchen, gelingt es hoffentlich, das Donaudelta als das zu erhalten, was es jahrtausendlang war und immer noch ist: ein einzigartiges Naturparadies am Rande Europas.
Stand: 19.10.2026, 16.30 Uhr