Die Wechseljahre: Zu heiß für Deutschland?
ARD Story
Die Wechseljahre: Zu heiß für Deutschland?
„Bin ich schon in den Wechseljahren – und wenn ja, was heißt das eigentlich?“ Moderatorin Sabine Heinrich ist 49 und merkt: Da verändert sich etwas. Körperlich, emotional, hormonell. In der ARD Story „Die Wechseljahre: Zu heiß für Deutschland?“ fragt sie nach: Warum bleiben die Bedürfnisse von Frauen in dieser Lebensphase so oft unsichtbar – im Job, in der Medizin und in der Gesellschaft generell? Obwohl zwei Drittel der Betroffenen Beschwerden haben, fehlt es vielerorts an guter Aufklärung, passender medizinischer Versorgung und echter Anerkennung.
© WDR/Annika Graeff/Antonia Coenen
Sendedaten:
ab Freitag, 09.10.2026, in der ARD Mediathek
am Montag, 12.10.2026, 22:50 Uhr im Ersten
am Mittwoch, 14.10.2026, 22:15 Uhr im WDR Fernsehen
Neun bis elf Millionen Frauen in Deutschland befinden sich derzeit in den Wechseljahren – oft einhergehend mit Hitzewallungen, Schlafproblemen, Erschöpfung oder Konzentrationsstörungen. Trotzdem wird über die Wechseljahre noch immer nicht genug gesprochen. Eine Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten durch Wechseljahrsbeschwerden auf rund 9,4 Milliarden Euro im Jahr. Und viele betroffene Frauen arbeiten in Branchen, in denen Fachkräfte dringend gebraucht werden.
WDR-Reporterin Sabine Heinrich spricht mit Frauen, die offen erzählen, was die Wechseljahre mit ihnen machen. Sie trifft Ärztinnen, Forscherinnen, Aktivistinnen, Unternehmerinnen, Polizistinnen und Politikerinnen. Außerdem reist sie nach England, wo ein neues Gesetz Arbeitgeber dazu verpflichtet, Frauen am Arbeitsplatz konkret zu unterstützen.
Die ARD Story zeigt: Die Wechseljahre sind kein privates Problem von Frauen. Sie betreffen Gesundheit, Arbeit, Gleichberechtigung – und die Frage, wie ernst unsere Gesellschaft Frauen in dieser Phase nimmt.
Ein Film von Antonia Coenen mit Sabine Heinrich
Redaktion: Jessica Briegmann (WDR), Marion Menne-Mickler (WDR)
Für akkreditierte Journalistinnen und Journalisten steht die ARD Story im Vorführraum der WDR Presselounge zur Ansicht bereit.
Drei Fragen an Sabine Heinrich
Host der ARD Story „Die Wechseljahre – Zu heiß für Deutschland?“
Liebe Sabine Heinrich, was hat Dich am meisten überrascht?
Dass wir so uninformiert sind.
Leider wissen viele Frauen am Anfang gar nicht, dass sie in der Perimenopause sind, und sie wundern sich eher still, dass sie schlecht schlafen, dass sie plötzlich Gelenkschmerzen haben, schlechter sehen und schneller als sonst gereizt sind - und ganz oft mitten im Satz nicht mehr wissen, was sie eigentlich sagen wollten. Vielleicht gehen einige dann zur Hausärztin oder zum Hausarzt und zählen auf, was alles nicht stimmt, und dann heißt es: "Tja, wir werden alle nicht jünger. Ciao." Woher sollen sie es auch wissen: Im Medizinstudium kommen die Wechseljahre fast nicht vor. Und der Gynäkologe, die Gynäkologin hat für ein Beratungsgespräch zu den Wechseljahren nicht einmal eine Kennziffer, um es abrechnen zu können.
Was macht Mut?
Das Thema findet eine größere Öffentlichkeit als noch vor wenigen Jahren. Dennoch fühlen sich Frauen oftmals im Job-Umfeld stigmatisiert und reden eher nicht über ihre Wechseljahre. Ich selbst mag auch gewisse Dinge nicht auf der Arbeit besprechen müssen - aber die Menopause als normalen Prozess anzuerkennen bedeutet eben auch, darüber zu sprechen. Wir haben bei Frauen zwischen 45 und 55 Jahren die höchste Erwerbsquote und es wäre für Unternehmen ein enormer Verlust, diese Frauen zu verlieren. Es gibt gute Beispiele, wie man den Frauen entgegenkommen kann - dazu waren wir in London in einem Unternehmen, das sich die Zeit nimmt, alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen jeden Alters zu schulen und mit verhältnismäßig kleinen Dingen ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen.
Wechseljahre? Warum sollte mich das interessieren?
Weil jede Frau in die Wechseljahre kommt: deine Mutter, deine Nachbarin, deine Kollegin, Helene Fischer, Taylor Swift und auch Du. Die Frauen sind körperlich und mental in unterschiedlicher Weise betroffen: die eine mehr, die andere weniger. Aber auch das Umfeld muss mitgenommen werden: Familie, Freunde und die Arbeit. Die hängen alle mit dran, ob wir wollen oder nicht. Erst wenn alle informiert sind, kann es Verständnis geben.
Stand: 06.10.2026, 11.00 Uhr